Mobbing an der Schule
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08.05.2020

Mobbing an der Schule

Mobbing

Möglichkeiten zur Gewaltprävention

Schimpfworte stellen schon längst keine Ausnahme mehr dar, die beobachtete Gewalt nimmt spürbar zu und der Respekt der Jugendlichen zu den Erwachsenen sinkt. Umstände, wie sie sich mittlerweile täglich an vielen Schulen des Landes vorfinden lassen. Doch wie können Lehrer und Eltern korrigierend eingreifen, wenn sich die Spirale der Aggression immer schneller dreht?

Ein Blick in die Statistik

Die Zahl der Gewaltdelikte an den Schulen nimmt zu, die dabei gezeigte Aggressivität gegenüber Schülern und Lehrern erreicht ein schockierendes Ausmaß. Für das vergangene Jahrzehnt verzeichnen die Statistiken der Kriminalämter aller Bundesländer einen Anstieg die Kriminalitätsrate in den Einrichtungen des ersten Bildungsweges. Mag es dabei in Nordrhein-Westfalen eine Erhöhung um lediglich drei Prozent gegeben haben, so nahm die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt und Mobbing im Saarland sogar um 114 Prozent zu. Zu etwa zwei Dritteln werden die Delikte von männlichen Schülern ausgeübt. Darüber hinaus sind Angriffe, Diebstähle und Sachbeschädigungen nicht mehr ausschließlich unter Jugendlichen zu beobachten – auch im jüngeren Alter und selbst im Kindergarten lässt sich die Zunahme derartiger Taten feststellen. Worin aber ist das Verhalten der Schüler begründet?

Die Selbstbehauptung beginnt im Kindergarten

Allerdings wäre es falsch, alleine die Schule in die Verantwortung zu nehmen. Vielmehr zeigen die vergangenen Jahre deutlich, dass die Gewaltprävention schon deutlich früher einsetzen müsste, denn bereits im Kindergarten lassen sich Kämpfe unter den Kleinsten beobachten. Mag es sich dabei zunächst noch um scheinbar harmlose Spielereien handeln, die sich vielleicht mit einer Form der Selbstbehauptung gegenüber anderen Mädchen und Jungen erklären lässt, so liegt doch gerade darin die Basis für späteres Mobbing, für Ausgrenzung und eben Gewalt. Versagen hier schon die ersten Maßnahmen der Deeskalation, wird das Kind das ihm zugestandene Fehlverhalten vom Kindergarten mit in die Schule übernehmen und dort früher oder später erneut auffällig werden. Damit wiederum beginnt die Spirale der Gewalt, denn auch die einstigen Opfer suchen und finden Wege zur Selbstverteidigung.

Die Ursachen der Aggression

Doch wer den Weg der Gewaltprävention einschlagen möchte, muss stets die Hintergründe eines gewaltbereiten Verhaltens untersuchen. Bereits im Umfeld der Täter – etwa unter deren Eltern und Freunden – lassen sich oft bereits wichtige Hinweise finden. So können schließlich auch die Erwachsenen in ihrer Erziehung entscheidende Fehler begehen. Darüber hinaus spielt bei Kindern und Jugendlichen der zunehmende psychische Druck eine große Rolle. Der Aussicht auf ein vermeintlich schönes Leben, auf das Erfüllen eigener Träume sowie auf ein Maß an Unabhängigkeit steht häufig die Gefahr des Scheiterns gegenüber – und das im Regelfall ohne belastbare Exit-Strategie. Die Heranwachsenden fühlen sich daher vielfach alleingelassen mit ihren Ängsten und Nöten. Der aufgestaute Frust wird in Aggressionen umgewandelt – und an jenen ausgelassen, die schwächer sind.

Zuhören und hinschauen

Die Gewaltprävention fängt zudem immer dort an, wo bereits die ersten Merkmale eines gewaltbereiten Verhaltens nicht ignoriert werden. Sei es im Kindergarten, auf dem Schulweg oder auf dem Pausenhof: Oft können hier schon geringfügige Übergriffe festgestellt werden. Aus einer kleinen Rangelei und dem Wunsch der Selbstbehauptung eines Kindes geht daraus vielleicht die Unterdrückung des Gegenübers einher, die Basis für eine oftmals lange andauernde Hierarchie kann also bereits hier gelegt werden. Nicht immer muss darin der Anlass zu späterem Mobbing zu sehen sein. Und doch wäre es wichtig, dass Eltern und Lehrkräfte das Verhalten der Heranwachsenden beobachten und für ihre Sorgen stets ein offenes Ohr haben. Nur wer früh genug einschreitet, kann Schlimmeres verhindern und den Prozess der dauerhaften Deeskalation einleiten.

Schweigen als Selbstverteidigung

Demgegenüber sollte nicht erwartet werden, dass ein Opfer tatsächlich immer bereit ist, alle Hintergründe des auf ihn gerichteten Mobbings zu schildern. Viele Schüler, die früher oder später mit Aggressionen konfrontiert werden, wählen den Weg des Schweigens. Denn sie fürchten, von den Angreifern künftig noch mehr belästigt zu werden, wenn sie nun deren Namen oder die Umstände einer Tat preisgeben. Eltern und Pädagogen kommen hier also schnell an ihre Grenzen. Ratsam dürfte in solchen Fällen daher das Hinzuziehen eines Schulpsychologen sein, der außerhalb des Unterrichts in Einzelgesprächen oder in einer scheinbar belanglosen Unterhaltung auf dem Pausenhof um Deeskalation unter den Betroffenen bemüht ist. Wichtig ist es folglich, den Kindern und Jugendlichen das sichere Gefühl zu geben, dass sie mit ihren Ängste nicht alleine sind und Hilfe immer zur Verfügung steht.

Stärke und Selbstbehauptung

Darüber hinaus sollte – idealerweise im Klassenverbund – auf ein erhebliches Maß an Aufklärung gesetzt werden. Gefragt sind hierbei natürlich die Lehrer. Ihnen mögen zwar die Mittel fehlen, um jeden Schüler auf dem Schulweg oder auf dem Pausenhof vor dem Mobbing zu bewahren. Und doch kann der gemeinsame Austausch gerade in diesem Themenbereich den Kleinen und den Jugendlichen wichtige Erkenntnisse liefern. Insbesondere der Umgang mit eigenen Schwächen, mit Sorgen, mit Stress- und Drucksituationen sollte im Unterricht analysiert werden. Stets verbunden mit dem Angebot für konkrete Hilfe selbst in ausweglos scheinenden Situationen. Das Erlangen von eigener mentaler Stärke stellt für die einstigen Opfer zumeist den ersten Schritt zur Selbstbehauptung dar und nimmt in der gesamten Gewaltprävention eine wichtige Rolle ein. Demgegenüber führen ein Verschweigen und ein Wegsehen künftig nur zu noch mehr Aggressionen.