Die WingTsun Prinzipien

Effektive Selbstverteidigung mit WingTsun

Unsere Kampfkunst ist auf Prinzipien aufgebaut 
( Die WingTsun Prinzipien),
die uns in gefährlichen Situationen schnellstmöglich reagieren lassen.
Kampfkunst ist die Kunst des Kämpfens,
also mehr als nur aneinander gereihte Techniken. 
Eine gute Kampfkunst engt in der Anwendung nicht ein – 
sie läßt dem Körper völlige Bewegungsfreiheit. 

Die 4 WT-Prinzipien

Mit diesem Prinzip kann der Angegriffene das Kampfgeschehen von Anfang an „in der Hand behalten“: Der WT-Kämpfer reagiert auf feindseliges Überschreiten der Sicherheitsdistanz mit der sog. Universallösung. Dabei spielt die Art und Weise des gegnerischen Angriffs keine grundsätzliche Rolle.

Falls der Angreifer das Vorstoßen des WT-Kämpfers behindern kann, klebt der WT-Kämpfer an der gegnerischen Abwehr.

Aufgrund von Druckverhältnissen kommt es zu „taktilen“ Reflexen (Chi-Sao-Reflexe). Diese passiven, direkt durch den Gegner bestimmten („maßgeschneiderten“) Abwehrreflexe lassen die Angriffsenergie ins Leere laufen. WT ist ein weicher Stil! 

Aufgrund des ständigen Vorwärtsdruckes dringt man sofort und automatisch wie Wasser in jede sich ergebende Lücke. So ist das 4. Prinzip die Konsequenz des Vorwärtsdruckes. Während man sich die Fähigkeiten zur Realisierung des 2. und 3. Prinzips im Chi-Sao-Training („klebende Arme“) aneignet, übt man das Zusammenspiel aller 4 Prinzipien im Lat-Sao (Freikampf). Das Bewegungsrepertoire erhält man aus den WT-Formen. Der Bewegungsreichtum, den man im WT vorfindet, wird durch die WT-Prinzipien und bestimmte Bewegungsmuster kaum eingeschränkt. Der Selbstverwirklichung und der individuellen Interpretation (des fortgeschrittenen WingTsun-Anwenders) sind kaum Grenzen gesetzt.

Die 4 WT-Kraftsätze

Soll heißen: Befreie dich und deine Techniken von unnötiger Kraft. Benutze nur die Muskeln die man für die Bewegung braucht – alle anderen sollten locker bleiben. Dadurch können die Bewegungen freier und noch kräftiger werden!

Überträgt der Angreifer ungewünscht Kraft auf uns, gilt es in diesem Merksatz diese Kraft abzuleiten oder so damit umzugehen, dass sie uns nicht schadet. 

Nun soll der WT’ler lernen, die Kraft des Angreifers für sich nutzbar zu machen. Günstige Umstände, anatomische Gegebenheiten, Mottos und Verhaltensregeln bringen den Schüler mehr und mehr dazu, sich in den verschiedenen Situationen richtig zu verhalten.

Jetzt ist es an der Zeit, die eigene Kraft sich entfalten zu lassen. 

Die 5 Kampfdistanzen

Ein Kampf kann mit einem Tritt beginnen, da dies die “Langsteckenwaffe“ des Körpers ist. WT-Schülerinnen und Schüler lernen Abwehrtechniken gegen alle erdenklichen Tritte. Diese Abwehren bestehen im Prinzip nur aus zwei Bewegungen. Generell wird ein WT-ler die Tritt-Distanz so schnell wie möglich zu überbrücken versuchen, um in die Schlag-Distanz zu gelangen. 

In der Schlag-Distanz ist der Gegner, wenn er mit der Faust zu erreichen ist. Anfänger lernen in dem systematisch aufbauenden Unterricht die wichtigsten Abwehrbewegungen, die aber immer mit einem gleichzeitigen Angriff ausgeführt werden. WT-ler bleiben nicht in der Defensive, sondern verwenden die Kraft des Gegners gegen ihn. Dafür erlernen Schülerinnen und Schüler mit Reflexen auf die Aktion eines Gegners zu antworten. Durch spezifisches Training lernt man, den Angriff des Gegners, sowie Druck und die Richtung zu fühlen und dann darauf sofort flexibel zu reagieren. Die Überraschung ist perfekt, wenn plötzlich Kettenfauststöße auf den Angreifer einprasseln, der eben noch glaubte, leichtes Spiel zu haben. Entweder er sucht sein Heil in der Flucht, oder er versucht zu klammern. Die Distanz wird dabei verringert, so dass Fauststöße nicht mehr effektiv eingesetzt werden können. Aber WT-ler haben auch darauf eine Antwort: die Dritte Distanz: 

Früh bekommen Schülerinnen und Schüler im WT gezeigt, dass Knie und Ellbogen wirkungsvolle “Waffen“ sein können. Ein Aufwärts-Ellbogen unter dass Kinn, ein Rückwärts-Ellbogen gegen einen Angriff von hinten, ein Ellbogen-Stoß von oben auf die Nase, sind extrem wirksam. Ebenso wie auch Kniestöße zum Unterleib oder gar zum Kopf. Das eigentliche Training um solche Angriffe auch abwehren und wirksam beantworten zu können, beginnt wegen der Verletzungsgefahren erst beim fortgeschrittenen Schüler. Im Kampf, besonders unter beengten Bedingungen, kann es schnell geschehen, dass ein überraschter Angreifer in seiner Panik versucht, sich an den WT-Schüler bzw. die WT-Schülerin zu klammern. Dadurch kommt man eventuell in die… Vierte Distanz: 

Werfen und Gegenwerfen WT-ler lernen für solche Situationen wichtige Reflexe und Techniken, um selbst nicht zu Boden zu gehen, den Gegner aber zu Fall zu bringen. Wichtig ist hierbei die aufrechte Haltung, die von Anfang an geübt wird. Dadurch kann der Kopf nicht so leicht nach unten gezogen werden. Der Gegner wird vielleicht versuchen, ein Bein weg zu fegen. Der besondere WT-Stand erschwert dies jedoch ungemein, da man kein Gewicht auf dem vorderen Bein hat. Gerade hier ist es wichtig, die Aktionen des Gegners mehr zu fühlen, denn sehen kann man sie nicht. Sollte man aber doch zu Boden gehen, so schützt uns die Bodenposition vor Tritten. Gehen wir mit dem Gegner gemeinsam zu Boden, kommt man in die Fünfte Distanz: 

Den Gegner am Boden zu kontrollieren, nicht geschlagen werden zu können, aber selbst noch eine Hand frei zu haben, um den Kampf zu beenden, ist das Ziel des Bodenkampfes (d.h.: den Kampf gewinnen). WT-Schüler lernen nicht, den Bodenkampf zu suchen. Im Bodenkampf spielen Kraft, Technik und Erfahrung eine große Rolle. Ein schwergewichtiger Angreifer ist immer gefährlich. Falls der Angreifer nicht allein ist, wird der Bodenkampf zur Falle. Und mit guter Kleidung will sich auch niemand auf der Straße wälzen. Trotzdem bietet WT alle Voraussetzungen, um auch im Bodenkampf, gegen einen stärkeren Gegner durch intelligente Technik zu bestehen. Auch hier kommen Bewegungen wie in den anderen Distanzen zum Einsatz, immer basierend auf den WT-Prinzipien.